Brückencafé

Brückencafé

Brückencafé

Mittwoch, 25. Februar 2026, 16:00 - 18:00 Uhr
Foyer, Johannisberger Str. 15A, 14197 Berlin

Es ist Mittwochnachmittag, ein kalter Januartag; die Dämmerung kündigt sich an. Im Foyer der Lindengemeinde, wo noch der geschmückte Baum seinen Platz in einer Ecke behauptet, duftet es einladend nach Gebäck. Paula und Petra bereiten in der Gemeindeküche etliche Kannen mit Kaffee und auch Tee vor, die Tische sind freundlich mit Blumen und Servietten dekoriert. Die Gäste treffen ein: „Stammgäste“ ukrainischer Herkunft bilden die größte Gruppe. Manche kommen immer wieder ins Brückencafé, in ihr Wohnzimmer. Ständig gibt es neue Gesichter, und auch Stefan, Christine und Marlene ist unklar, wie sie uns finden. Aber sie finden uns. Immer wieder, immer neu. Sie kommen aus Buch, aus Treptow, aus Zehlendorf oder aus Mitte, und sie kommen, um ein paar Stunden lang die Angst um ihre Lieben in der Ukraine fast vergessen zu können. Zu ihnen gesellt sich eine moslemische Mutter mit Kind aus der Türkei, ein alter Syrer und sein junger syrischer Kollege, inzwischen Ingenieur in Tempelhof, die frisch geschiedene Irakerin, deren Mann sie misshandelte und die sich in Deutschland trennen konnte; sie will nun wieder ihre Arbeit als Röntgen-Assistentin aufnehmen. Und andere, aus dem Libanon, aus Afghanistan, aus Kasachstan, aus Libyen finden uns.

Sie treibt die Sehnsucht. Wir wollen ihnen helfen, in Berlin anzukommen. Vielleicht für ein paar Jahre, vielleicht für immer.

Nur Wochen nach dem Überfall Russlands öffnete die Lindengemeinde, öffnete die Pfarrerin Bettina Schwietering-Evers die Türen des Gemeindehauses für alle Heimatlosen. Menschen fanden sich ein, solche, die Hilfe boten, solche, die Hilfe brauchten. Es organisierte sich das Brückencafé. Seitdem haben wir zusammen Chöre gegründet, Backen gelernt, Exkursionen und Wanderungen unternommen, Museen erforscht, Biergärten besucht, sind in der Havel geschwommen, haben Weihnachten gefeiert, anfangs noch am 6. Januar, nun aber, wie vor der Revolution von 1917, wieder am 24. Dezember. Wir haben uns an der Krippe versammelt und Weihnachtslieder gesungen.

Inzwischen hat sich das Foyer gefüllt. Stefan bringt „seinen“ Tisch mit kleinen Geschichten dazu, selber zu erzählen. Christine liebt das Gespräch über Kultur und lädt ein zu Exkursionen, zum Beispiel zur Musikhochschule. Paula ist Expertin darin, Bilder interpretieren zu lassen. Petra lässt nicht nach im Bemühen, Bewerbungsschreiben zu formulieren und Praktikumsplätze zu vermitteln. An Marlenes Tisch sammeln sich die mit fortgeschrittenen Sprachkenntnissen und Fragen zur Grammatik. Kommt Bettina vorbei, freuen sich alle und fühlen sich doppelt willkommen geheißen.

Neulich hatte Mohammed gekocht, gefüllte Zucchini in pfeffriger Tomatensauce. 30 Personen verteilten sich im Raum. Mohammed war stolz und glücklich. Sogar die eine oder andere der Damen, die nebenan mittwochs Brettspiele spielen, folgte dem Duft und saß froh mit an den Tischen, an denen immer mehr und immer besser Deutsch gesprochen wird. Und Menschen sich in Freundschaft treffen. 

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