Die Schwalben in der Linde

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Die Schwalben in der Linde

Der Überfall Russlands auf die Ukraine hat viele Talente nach Deutschland gebracht. Ihnen wollen wir hier Raum und eine Stimme geben. Heute berichten Maryna und Oleksandr, der Lindengemeinde durch viele musikalische Auftritte schon vertraut.

Ukrainische Künstler in Berlin: Ein Neuanfang

Wir lernten uns 1997 in Kyjiw in einem Tonstudio kennen, wo Maryna ihr eigenes Album aufnahm und Oleksandr als Arrangeur eingeladen war. Bald wurde er ihr Produzent. und im Jahr 2001 heirateten wir.

Parallel zu ihrer Tätigkeit im Showbusiness begeisterte sich Maryna für das Entwerfen von Bühnenkostümen. Mit der Zeit merkte sie, dass das Design sie mehr faszinierte als ihre Karriere als Sängerin. Nach einer entsprechenden Ausbildung und einem Master-Abschluss in Design begann Maryna, Konzert-Looks nicht mehr nur für sich selbst, sondern auch für bekannte ukrainische Pop-Interpreten zu kreieren. Währenddessen setzte Oleksandr seine musikalische Tätigkeit fort: Er gründete sein eigenes Tonstudio, schrieb Musik für Filme, Serien und Künstler und unterrichtete junge Talente in Gesang und Bühnenpräsenz. Ihrer beider Weg verlief erfolgreich und erfüllend.

Die Entscheidung, die Ukraine zu verlassen, fiel in dem Moment, als in unserem Hinterhof Kämpfe, Beschuss und Explosionen begannen. Wir planten, für ein paar Monate wegzugehen und bald zurückzukehren, verließen die. Ukraine also nur mit zwei Rucksäcken. Nach Berlin kamen wir eher zufällig – auf Empfehlung einer Sammlerin, die einige Jahre zuvor Bilder von Maryna gekauft hatte. Auf ihren Rat hin nahm uns eine wunderbare deutsche Familie auf – Daniela und ihre Kinder. Wir lebten anderthalb Jahre in ihrem Haus in Zehlendorf, und genau das half uns, das in Kyjiw erlebte Trauma zu bewältigen..

Wir waren tief beeindruckt davon, wie Deutschland und seine Bewohner uns Ukrainern begegnet sind. Eine riesige Welle der Unterstützung, Güte und Offenheit war für uns ein unerwartetes und rettendes Geschenk, das uns half, den Stress der ersten Tage zu bewältigen und uns bis heute trägt.

Tatsächlich unterscheidet sich das Leben in Deutschland erheblich von dem in der Ukraine, und ohne die Hilfe unserer deutschen Freunde wäre es äußerst schwierig gewesen, uns anzupassen. In Fragen der Integration hat uns die Lindenkirchengemeinde sehr geholfen. Als uns klar wurde, dass unser Leben in Berlin nicht mehr nur eine Sache von ein paar Monaten ist, begannen wir unseren Weg in die deutsche Gesellschaft. Der entscheidende Schritt war dabei natürlich die Sprache. Ein glücklicher Zufall und Mundpropaganda führten uns zum Sprachcafé der Lindenkirche. Dort lernten wir wunderbare Menschen kennen: Bettina, Marlene, Rosemarie, Christine, Petra, Paula, Stefan und viele andere. Das wurde zum Wendepunkt für unser weiteres Leben in Berlin.

Eine vollwertige Integration ist ohne Arbeit nicht möglich. Maryna absolvierte eine Weiterbildung im Bereich Mediendesign, arbeitete als Illustratorin mit einem Berliner Verlag zusammen und ist derzeit in einem Berliner Unternehmen im Bereich Logistik und E-Commerce tätig. Sie plant, eine weitere Ausbildung in diesem Fachbereich zu absolvieren. Marynas frühe Leidenschaft, das Malen, ist in den Hintergrund gerückt, aber sie ist stolz darauf, dass sich Bilder von ihr im Bestand des Berliner MAUERMUSEUMS und in zahlreichen Privatsammlungen in vielen Ländern der Welt befinden.

Und auch Oleksandr fand eine Möglichkeit, seine Musikalität weiter zu leben. Der Chor „Schwalben“ besteht in erster Linie aus Menschen, die durch gemeinsames Leid, die Liebe zu ihrem Land und zur Musik vereint sind. Pfarrerin Bettina Schwietering-Evers stellte einen Proberaum und ein Instrument zur Verfügung, und so konnten wir die Geschichte unseres Chores in Berlin beginnen. Der erste Auftritt fand im Dezember 2024 statt. Seitdem hat der Chor mehr als 30 Konzerte an verschiedenen Orten der Stadt gegeben. Die Proben finden zweimal pro Woche statt. Zur Stammbesetzung gehört fest unser deutscher Freund und großer Musikliebhaber Jürgen; zeitweise schließen sich uns auch andere Teilnehmer aus der lokalen Bevölkerung an. Das Repertoire des Chores umfasst etwa 20 Werke: Neben ukrainischen Liedern singen wir auf Deutsch, Englisch, Polnisch und Latein. Das Programm stellt Oleksandr zusammen, wobei er stets auf die Vorschläge der Teilnehmer hört. Unser Chor arbeitet aktiv mit dem deutsch-polnischen Ensemble „Spotkanie“ zusammen (im Mai und September 2025 gaben wir zwei große gemeinsame Konzerte) sowie mit dem Groove Choir und dem Bahá’í-Chor.

In den vier Jahren unseres Lebens in Berlin sind wir in eine kulturelle Vielfalt eingetaucht, der wir zuvor nie so nah begegnet sind. Weg Unser größter Wunsch für Deutschland ist es, die Mitmenschlichkeit zu bewahren, die wir hier täglich spüren. Der Weg zu diesem Ziel ist nicht einfach, aber gerade denen, die ihn beschreiten, eröffnen sich Horizonte des Fortschritts und des Wohlstands.

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