27/03/2026 0 Kommentare
Kleinkunst im Foyer
Kleinkunst im Foyer
# Neuigkeiten

Kleinkunst im Foyer
Reden oder lesen wir über die Ukraine, so steht im Vordergrund stets das Leid, das Elend, die Bedürftigkeit, und bestenfalls, wie wir helfen können. Dass uns auch neue Talente, Kenntnisse, Ansichten bereichern, fällt zu oft durchs Raster. Deshalb wechseln wir hier in der Lindenkirchengemeinde die Perspektive und wollen berichten von den kleinen Handarbeiten, Kunstwerken, die seit wenigen Wochen im stets offenen Foyer der Lindengemeinde nicht nur zu bestaunen, sondern auch zu erstehen sind. Natalia, eine unserer regelmäßigen Besucherinnen im Brückencafé will sich dadurch nicht bereichern, ihre Arbeiten schenkt sie der Lindengemeinde.* Warum? In ihren eigenen Worten: „Ich empfinde einfach eine große Dankbarkeit für die Wärme, mit der ihr uns Ukrainer umgebt, für eure Unterstützung, euer Verständnis und eure Gebete für die Ukraine – das ist unbezahlbar.“
Und wer ist Natalia? Wir lassen sie berichten:
„Ich wurde in der kleinen Bergarbeiterstadt Kadijiwka im Osten der Ukraine geboren. Meine Mutter stickte wunderschön Kreuzstich, so wie damals alle ukrainischen Frauen. Ich erinnere mich, dass wir noch lange Tischdecken und Servietten aus ihrer Aussteuer hatten, die sie selbst bestickt hatte. Später stickte sie auch Bilder. Ich wundere mich, wie sie dafür überhaupt Zeit fand. Sie arbeitete als Buchhalterin, hatte einen Mann und drei Kinder, und für ihr Hobby blieb nur die Nacht.
Damals begeisterten sich viele Frauen für das Sticken; die Vorlagen für diese Bilder wurden untereinander weitergegeben, und man teilte Fäden in den passenden Farbtönen. Aber ich glaube, meine Mutter hatte ein besonderes Talent – nach der Natur zu sticken.
Ich erinnere mich an ein Kleidchen meiner Schwester, auf das meine Mutter einen Hagebuttenzweig gestickt hatte. Meine ältere Schwester erzählte, wie unsere Mutter einfach am Fenster saß, den Hagebuttenstrauch betrachtete und ganz ohne Vorlage stickte. Und der Zweig wirkte wie lebendig, es schien, als würden sich die Blätter gleich im leichten Wind bewegen.
Mit dem Häkeln von Spielzeug habe ich hier in Berlin angefangen (zu Hause habe ich nur Kleidung für Puppen gestrickt). Vielleicht beginnt man, sich über ganz einfache Dinge zu freuen, wenn man vieles verliert. Darüber schrieb Erich Maria Remarque in seinem Roman Arc de Triomphe. Zu neuen Spielzeugen inspirieren mich meine Enkelinnen. Sie sind so fantasievoll. Sie freuen sich sehr über die Spielsachen, die ich mit meinen Händen gemacht habe, trotz ihrer kleinen Mängel. Und natürlich hilft mir auch das Internet sehr. Ich will meine Arbeiten gar nicht als Kunstwerke bezeichnen, eher einfach nur Selbstgebasteltes. Sie anzufertigen, das macht mir Freude. Und dazu kommt die Vorfreude auf die Freude anderer.“
Neugierig? Kommen Sie und staunen Sie! Und teilen Sie die Freude über die hübschen Handarbeiten gerne mit Freunden.
*Die Lindengemeinde wird den Erlös, den Natalia spendet, dem Konto „Ukraine-Hilfe“ gutschreiben.
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